„Ich bin ein politisches Wesen.“

Politische Bildung ist in Österreich parteizentriert, inhaltlich und in ihrer institutionellen Erscheinung undurchsichtig. Die gesellschaftliche Relevanz - ebenso die österreichische politische Kultur - ist auch nicht sehr ausgebildet. Vor vier Jahren bekam ich das hautnah zu spüren. 

studiert Politikwissenschaft mit dem Fokus auf politische Kommunikation, politische Bildung sowie politische Theorie. Sie hegt großes Interesse für Hannah Arendt und hofft, dass sie ihre Ideale bei der Demokratiestiftung in die Realität umsetzen kann: Politisches Handeln als Alltagspraxis. Sei engagiert sich bei der Österreichischen Demokratiestiftung.

Der Beweggrund für [m]eine Bewegung

Im Laufe des Studiums wird man immer wieder gefragt, warum man sich genau für dieses Politikwissenschaftsstudium entschieden hat. In meinem Fall gibt es mehrere Gründe – einer jedoch war der entscheidende Beweggrund: meine bisher fehlende politische Bildung. 

Natürlich hatte ich meine Eltern, die mir politische Geschehnisse erklärten und hatte dazu Unterricht in der Schule. Aber was, wenn man mehr will? In Österreich muss man sich anscheinend für eine Seite entscheiden.

Ich recherchierte, welche Möglichkeiten man als Jugendliche hat, sich außerhalb der Schule politisch zu bilden. Partei A, Partei B, Partei C. Parteiakademien, Parteischülerorganisationen, Parteijugendclubs. Mich auf eine politische Partei festzulegen, behagte mir nie. Bildung ist eine Art der Prägung. Mein Ziel war es jedoch nicht parteipolitisch, sondern demokratiepolitisch gebildet und geformt zu werden – ohne ideologische Kompromisse eingehen und falsche Zugeständnisse machen zu müssen. 

Mit Glück darf man dabei sein

Da es bisher nur parteibeeinflusste Organisationen gibt, bei denen man sich politisch engagieren kann, beziehungsweise über Politisches lernt, hatte ich keine andere Wahl, als es trotzdem auszuprobieren. Zufälligerweise gab es einen Tag der offenen Tür einer parteipolitischen Jugendorganisation in absehbarer Zeit. Ich meldete mich an.

Empfang, Begrüßung, Vorstellung. Nach einer Stunde war es endlich soweit: Ich bekam die Frage gestellt, warum ich hier bin. Natürlich konnte ich nicht sagen, dass ich keine besondere Parteiaffinität hatte. Die Aussage, ich würde mich gerne „nur“ politisch weiterbilden, rief einen skeptischen Blick bei der Parteiwerbenden hervor. Anscheinend vermisste man bei mir die Begeisterung für die Partei. Nach dem „Bewerbungsgespräch“ wurde mir gesagt, dass ich am nächsten Tag erfahre, wie es weitergeht. Ich bekam keine Nachricht mehr. 

Trotz eines gewissen Unbehagens gegenüber dieser Veranstaltung war ich sehr enttäuscht. Mir kam der Gedanke, dass sie zu wenig von mir profitieren könnten oder dass ich nicht gut genug dafür war. Es bei einer anderen Parteijugendorganisation zu probieren, zog ich kurz in Erwägung, aber am Ende fragte ich mich: Warum sollte es bei einer anderen Partei anders sein? Zuerst dachte ich tatsächlich, dass diese Jugendverbände für Demokratiebildung zuständig waren. Aber nein – es ging um parteipolitische Interessensvertretung. Somit musste ich feststellen: Entweder muss ich mich für eine Partei entscheiden oder meine politische Bildung kommt zu kurz. Heute weiß ich: So muss es nicht sein.

Die Lehren meines Studiums

Tatsächlich musste ich Politikwissenschaft studieren, um zu erfahren, warum wir ausschließlich parteizentrierte politische Bildung in Österreich haben. Nach zwei Jahren Studium erhielt ich endlich die Antwort auf meine Frage: In Österreich hatte man sich bewusst dazu entschieden, die politische Bildung – speziell für Jugendliche – den Parteien zu überlassen. 

Besonders ausgeprägt ist in Österreich außerdem die sogenannte „Lagermentalität“, die politikinteressierte Bürger:innen dazu zwingt, sich nicht nur auf eine Seite zu stellen, sondern auch entscheidet, welche politische Bildung man erhält – je nachdem für welche parteipolitische Jugend- oder andere Vorfeldorganisation man sich entscheidet. Die Ursache für die zu wenig institutionalisierte politische Bildung, die für alle in gleichem Maße zugänglich wäre, wurzelt in dem Umstand, dass durch die österreichische Lagermentalität Parteien die Möglichkeit hatten, sich den Auftrag der Politikbildung für sich zu vereinnahmen. Natürlich ist es angenehm, wenn man dadurch eine gewisse soziale Absicherung für sich beanspruchen kann – Mitgliedschaften bei sozialen Verbänden und Zugriffe auf soziale Angebote. Jene Absicherungen, aber vor allem Bildung, sollten nicht nur für alle zugänglich sein, sondern auch für alle in derselben Qualität – ohne, dass man parteipolitische Zugeständnisse machen muss.

Das beste Bekenntnis, das man meiner Meinung nach machen kann, wenn man ein politisches Interesse hat, ist: „Ich bin ein zoon politikon, ein politisches Wesen“. Um politisch engagiert sein zu können, sollte es keine Partei brauchen. Ich habe schon zu lange auf eine Organisation warten müssen, die sich für partizipatorische Demokratie, Informationsfreiheit und bürgernahe politische Weiterbildung einsetzt – aber auch Österreich. Die Demokratiestiftung kann diese Lücke füllen. Ich hoffe, dass auch andere damit das finden, wonach sie immer schon in einem demokratischen Land gesucht hatten. Denn Demokratie braucht nicht nur Partei-Ideologie, sie braucht politische Bildung für alle!

Die Demokratie­stiftung

[Advertorial]: Dieser Beitrag ist in einer Kooperation zwischen dem Gründungsverein der Österreichischen Demokratiestiftung und ResPublica entstanden. Für den Inhalt ist die Stiftung verantwortlich.