Die Entwicklung der Amtseide

Eide sind seit Jahrhunderten fester Bestandteil der staatlichen Organisation. Sie gehen bis zu den Germanen zurück. Vor allem in der jüngeren Geschichte haben sie sich stark verändert. Eine kurze Übersicht.

1848-1918: Eid auf den Kaiser 
„Wir schwören zu Gott dem Allmächtigen einen feierlichen Eid, Seiner Apostolischen Majestät, unserem Allerdurchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Franz Joseph dem Ersten, von Gottes Gnaden Kaiser von Österreich, König von Böhmen u. s. w. und Apostolischem König von Ungarn treu und gehorsam zu sein, auch Allerhöchst Ihren Generalen, überhaupt allen unseren Vorgesetzten und Höheren zu gehorchen, dieselben zu ehren und zu beschützen, ihren Geboten und Befehlen in allen Diensten Folge zu leisten, gegen jeden Feind, wer es immer sei, und wo immer es Seiner kaiserlichen und königlichen Majestät Wille erfordern mag, zu Wasser und zu Lande, bei Tag und bei Nacht, in Schlachten, in Stürmen, Gefechten und Unternehmungen jeder Art, mit einem Wort, an jedem Orte, zu jeder Zeit und in allen Gelegenheiten tapfer und mannhaft zu streiten, unsere Truppen, Fahnen, Standarten und Geschütze in keinem Falle zu verlassen, uns mit dem Feinde nie in das mindeste Einverständnis einzulassen, uns immer so, wie es den Kriegsgesetzen gemäß ist, und braven Kriegsleuten zusteht, zu verhalten, und auf diese Weise mit Ehre zu leben und zu sterben. So wahr uns Gott helfe. Amen!“

Dieser Eid war bei Berufung von Soldaten bis zum Ende des Ersten Weltkriegs in Verwendung. 

1861: Gelöbnis der Reichstagabgeordneten
Alle Mitglieder mitsamt dem Präsidenten leisten das Gelöbnis, dass sie „dem Kaiser Treue und Gehorsam, Beobachtung der Gesetze und gewissenhafte Erfüllung ihrer Pflichten“ geloben.

1918: Eid auf die Erste Republik
„Ich schwöre als Mann, als Bürger der Republik Österreich und als Soldat, daß ich zu jeder Zeit und an jedem Orte das Vaterland verteidigen, daß ich den vom Nationalrat und den Landtagen beschlossenen Gesetzen und den gesetzmäßigen Behörden, insbesondere der vom Nationalrat bestellten Regierung, Treue und Gehorsam leisten, daß ich alle Befehle meiner Vorgesetzten pünktlich und genau befolgen, allen ihren Weisungen gehorchen und im Interesse des Wohles und der Sicherheit meiner Mitbürger nach bestem Wissen und Gewissen mit allen meinen Kräften der Republik Österreich und dem österreichischen Volke dienen werde. [....] Dieses Eides will ich immerdar eingedenk sein.“

Beim Einmarsch des deutschen Heeres wurde das österreichische Bundesheer nicht eingesetzt und die Pläne zur Abwehr waren den Deutschen schon frühzeitig bekannt.  

1939: Eid auf den Führer 
„Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, daß ich dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, dem Obersten Befehlshaber der Wehrmacht, unbedingten Gehorsam leisten und als tapferer Soldat bereit sein will, jederzeit für diesen Eid mein Leben einzusetzen.“ 

1939 bestand das österreichische Bundesheer aus 50.000 Männern, die am 13. März schwören mussten, dass sie Adolf Hitler Folge leisten und auch bereit sein müssen, dafür zu sterben. Lediglich 126 Personen weigerten sich, diesen Schwur zu leisten, worunter 123 Personen durch die Nürnberger Rassengesetze als Juden bezeichnet und deshalb aus dem Wehrdienst verwiesen wurden. 

1938-1945: Eid gegen den Führer 
Personen, die dem NS-Widerstand in Österreich angehörten, schworen auch den Eid „das Geheimnis der Bewegung jederzeit und vor jedermann zu wahren", das heißt, den Widerstand geheim zu halten.

1945: Mauthausen-Schwur
Treu diesen Idealen schwören wir, solidarisch und im gemeinsamen Einverständnis, den weiteren Kampf gegen Imperialismus und nationale Verhetzung zu führen. 

1955: Treuegelöbnis der Zweiten Republik 
„Ich gelobe, mein Vaterland, die Republik Österreich, und sein Volk zu schützen und mit der Waffe zu verteidigen; ich gelobe, den Gesetzen und den gesetzmäßigen Behörden Treue und Gehorsam zu leisten, alle Befehle meiner Vorgesetzten pünktlich und genau zu befolgen und mit altem meinen Kräften der Republik Österreich und dem österreichischen Volke zu dienen.“ (Wehrgesetz)

1945-heute: Gelöbnis auf die Verfassung
Die oder der Bundespräsident:in, Landeshauptleute und Mitglieder der Regierung beteuern: 

Die Gelöbnisformel ist nach dem Bundesverfassungsgesetz geregelt. Man darf auch einen religiösen Beisatz (Beteuerung) hinzufügen. 

Die oder der Schriftführer:in verliest folgende Angelobungsformel den Nationalratsabgeordneten vor: t Daraufhin sagen die Nationalratsabgeordneten nach Aufrufung ihres oder seines Namens: „Ich gelobe!“. (Bundesgesetz über die Geschäftsordnung des Nationalrates)

Auch im Bundesrat wird bei der Angelobung die Gelöbnisformel verlesen, dass man „die unverbrüchliche Treue der Republik, stete und volle Beachtung der Gesetze sowie gewissenhafte Erfüllung seiner Pflichten gelobt“. Nach der Verlesung bezeugen Mitglieder des Bundesrates das Vorgelesene mit: „Ich gelobe!“. (Geschäftsordnung des Bundesrates)

Wenn die Gelöbnisformel nicht in dieser Form geleistet wird, verliert jene Person ihr oder sein Mandat. (Bundesverfassungsgesetz)

Beamt:innen müssen folgende Gelöbnisformel nach Dienstantritt leisten: „Ich gelobe, dass ich die Gesetze der Republik Österreich befolgen und alle mit meinem Amte verbundenen Pflichten treu und gewissenhaft erfüllen werde.“ (Beamten-Dienstrechtgesetz)

1868-heute: Gerichtseid
„Ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden einen reinen Eid, daß ich über Alles, worüber ich von dem Gerichte befragt worden bin (werde befragt werden), die reine und volle Wahrheit und nichts als die Wahrheit ausgesagt habe (aussagen werde); so wahr mir Gott helfe!“.